Polyphenole – weit verbreitete Phytamine mit stark antioxidativer Wirkung

 

Polyphenole kommen in fast allen Pflanzen vor. Sie werden hauptsächlich in Phenolsäuren und Flavonoide unterteilt. Polyphenole haben viele gesundheitliche Wirkungen, vor allem als Antioxidantien.

Polyphenole kommen in fast allen Pflanzen vor. Zu diesen Phytaminen zählen viele Farb-, Geruchs- und Geschmacksstoffe, einige Ballaststoffe sowie Substanzen mit hormonähnlicher Wirkung, die auch Phytoöstrogene genannt werden. Zu den Polyphenolen gehören als Hauptgruppen die Phenolsäuren und die Flavonoide. Erstere sind meist als Gerbsäuren in Pflanzen enthalten, sie verleihen einigen den herben Geschmack, z.B. dem schwarzen Tee. Flavonoide sind meist als Farbstoffe (Pigmente) in Früchten und Gemüsen enthalten. Sie schenken beispielsweise Kirschen, Weintrauben, Aprikosen, Mispeln ihre roten, blauen und gelben Farben.

Polyphenole – viele Wirkungen auf die Gesundheit

Polyphenole sind für den Menschen nicht essentiell, haben aber viele gesundheitliche Wirkungen. Besonders stark sind die antioxidativen Funktionen. Polyphenole können zum Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen, einige haben auch antikarzinogene Wirkungen.

Polyphenole gelten (bisher) nicht als essentielle Nährstoffe, an ihren gesundheitlichen Wirkungen gibt es jedoch nach neueren Forschungen keinen Zweifel mehr. Polyphenole haben allgemein ein großes und breites Wirkspektrum für unsere Gesundheit. Sie können antioxidativ, antiviral, antimikrobiell und antikarzinogen wirken, sie können Entzündungen und Allergien hemmen und das Immunsystem modulieren. Eine Reihe epidemiologischer Studien in den letzten Jahren zeigten deutliche Beziehungen zwischen der Aufnahme von Obst und Gemüsen und dem damit zusammenhängendem Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und einigen Krebskrankheiten.

Bei ständig geringem Verzehr von Obst und Gemüsen steigt das Risiko für diese Krankheiten, bei regelmäßig hohem Verkehr pflanzlicher Lebensmittel sinkt das Risiko entsprechend deutlich ab. Einige Flavonoide können besonders die Blutgefäße und Kapillaren schützen, andere wirken vor allem antioxidativ, aber auch antientzündlich oder antikarzinogen. Für Polyphenole sind die Untersuchungen der möglichen gesundheitlichen Wirkungen bisher nur für einige Substanzen bestimmt.

Phenolsäuren
In Früchten und Gemüsen kommen Phenolsäuren vor allem in Form von Zimt- und Benzoesäuren vor. Sie haben antioxidative und teilweise auch antikarzinogene Wirkungen, und sie können zum Schutz vor Herz- und Krebserkrankungen beitragen. Zu den Phenolsäuren gehören u.a. die Caffeinsäure aus dem Kaffee und die Ferulasäure aus Getreide und Reis (beides Zimtsäurederivate) sowie die Ellagsäure (Benzoesäure-Derivat) aus dem grünen Tee. Die herzschützende Wirkung beruht wahrscheinlich auf der Fähigkeit einiger Polyphenole, die Fettoxidation zu verhindern und die Zusammenballung von Blutplättchen zu verringern. Die Ellagsäure kann vermutlich genetische Schäden, die durch Karzinogene, beispielsweise aus dem Zigarettenrauch oder verschmutzter Luft, verursacht werden, zerstören oder blockieren.

Flavonoide

Flavonoide sind die häufigsten Polyphenole in Pflanzen. Viele von ihnen sind Farbstoffe. Sie haben antioxidative und teilweise auch hormonähnliche Wirkungen.

Polyphenole kommen als Flavonoide, oft auch Bioflavonoide genannt, in Lebensmitteln am häufigsten vor. Es handelt sich um eine Gruppe von wasserlöslichen Pflanzenpigmenten, die vielen Obst- und Gemüsesorten sowie Kräutern ihre leuchtenden Farben schenken. Rund 4000 Flavonoide sind heute bekannt. Sie werden in verschiedene Untergruppen eingeteilt, wobei die Unterscheidung nicht immer einheitlich ist. Eine Art der Differenzierung erfolgt aufgrund struktureller Unterschiede in sechs Gruppen, die wiederum mehrere Substanzen umfassen:

Flavonole hellgelbe Pigmente
Quercetin in Zwiebeln
Kämpferol im Endiviensalat etc.
Flavanole adstringierende Wirkung
Catechine in Rotwein, Äpfeln
Epicatechingallate in grünem Tee etc.
   
Flavanone Bitterstoff
Hesperidin in Orangen etc.
   
Flavone hellgelbe Pigmente
Apigenin in Sellerie
Luteolin in Paprika etc.
   
Anthocyane rote und blaue Pigmente
Malvidin in blauen Weintrauben
Cyanidin in Kirschen etc.
   
Isoflavonoide Phytoöstrogene
Genistein und Daidzein in Sojabohnen etc.

 

Obwohl strukturell ähnlich, unterscheiden sich doch die einzelnen Flavonoide in ihren Funktionen. Zu den am meisten bekannten Flavonoiden zählen das Quercetin aus der Zwiebel und das Genistein aus den Sojabohnen. Auch die beiden Citrus-Flavonoide Hesperidin und Rutin sind heute durch ihre gesundheitlichen Funktionen zunehmend bekannter. In letzter Zeit hat vor allem die Ellagsäure (Epigallocatechingallat) aus dem grünen Tee durch ihre antikanzerogene Wirkung in der Medizin Beachtung gefunden.

Die möglichen gesundheitlichen Wirkungen von Polyphenolen

Epidemiologische Studien zeigen, dass der regelmäßige Verzehr von viel Obst und Gemüsen die Risiken für Herz- Kreislauf- und einige Krebserkrankungen senken kann. Dies beruht vermutlich auch auf dem Gehalt an Polyphenolen.

– verringertes Risiko für Herzkrankheiten und Schlaganfälle
– Stärkung der Blutgefäße
– Stärkung des Immunsystems (z.B. gegen virale Infektionen)
– verringertes Risiko für Krebserkrankungen
– Schutz vor altersbedingten Sehstörungen (Makula-Degenration, Katarakt)
– Linderung von Heuschnupfen, Sinusitis und Asthmasymptomen
– Linderung von entzündlichen Prozessen (Haut, Gelenke, Muskeln)
– Linderung von menopausalen Beschwerden (z.B. Hitzewallungen)

Polyphenole – unterschiedlicher Gehalt in Obst und Gemüsen
Der Gehalt von Polyphenolen und Flavonoiden kann in Früchten und Gemüsen sehr verschieden sein. Er hängt beispielsweise von der Pflanzensorte, vom Klima und Erntemonat ab. In den bei uns erhältlichen Obst- und Gemüsesorten kommen am häufigsten die Flavonole vor. Sie sind vor allem in Brokkoli, Endivie, Grünkohl, Zwiebeln, Preiselbeeren, Tomatensaft, Rotwein und im schwarzen Tee reichlich enthalten (über 50 mg pro kg). Etwas geringer ist der Gehalt in Orangensaft, aufgebrühtem Kaffee, Tomaten, Äpfeln, Kirschen und Weintrauben (zwischen 10 und 50 mg pro kg).

Freilandpflanzen enthalten allgemein höhere Mengen an Polyphenolen als Gewächshauspflanzen. Auch innerhalb der einzelnen Pflanze ist die Verteilung der Polyphenole unterschiedlich. Sie sind in Blättern und äußeren Gewebsschichten, beispielsweise in Karotten, Sellerie, Meerrettich, Bete und Rettich, sehr viel stärker konzentriert als etwa in den Wurzeln. Wo immer möglich, sollte man daher die Schalen von Obst und Gemüsen mitessen. Bei der Zubereitung erweisen sich viele Flavonoide als durchaus hitzestabil.

Einige entfalten ihre volle Wirkung sogar erst dann, wenn sie durch das Erhitzen aus der Zellwand gelöst werden. Das gute, alte Einwecken von Kompott ist also durchaus empfehlenswert und ein gesunder Nachtisch.

Polyphenole – sichere Phytamine in der Aufnahme
Mit unserer Nahrung nehmen wir täglich mehrere Gramm an Polyphenolen auf. Der regelmäßige Verzehr von Obst und Gemüsen führt diese Phytamine in reichlichen Mengen zu. Polyphenole, darunter vor allem die Flavonoide, sind in vielen Nahrungsergänzungen einzeln (z.B. Rotwein-Polyphenole), als Komplex (z.B. Quercetin, Rutin und Hesperidin) oder in Kombination mit anderen Nährstoffen (Vitaminen etc.) enthalten. Flavonoide wirken sehr gut zusammen mit Vitamin C, speziell die Citrus-Flavonoide verbessern dessen Aufnahme in den Körper. Die Einnahme von Polyphenolen gilt allgemein als sicher, Nebenwirkungen sind in der Regel nicht bekannt.

Die Ausnahme ist Catechin, das eventuell Fieber und Amämie verursachen kann, wobei diese Nebenwirkungen nach dem Absetzen verschwinden. Sollen Polyphenole bei Krankheiten eingenommen werden, sollte der behandelnde Therapeut um Rat gefragt werden. So kann auch am besten geprüft werden, ob es mögliche Interaktionen mit anderen Medikamenten geben kann.